Kinder, die in der Vorschulzeit wenig geistige Anregung bekommen haben, verfügen bei der Einschulung über weniger Fähigkeiten und werden hinter ihren ursprünglichen Möglichkeiten zurückbleiben. Bereits im Vorschulalter werden 50 Prozent der Nervenzellen des Gehirns miteinander verbunden – ein Fundament, auf dem alles zukünftige Lernen, Aneignen und Erfassen aufbaut.

 

In diesem Zusammenhang spricht man auch von Fenstern der Gelegenheit. Also von Zeitabschnitten in diesen entscheidenden Jahren, in denen ein Kind unbedingt mit vielfältigen Lerninhalten konfrontiert werden soll, weil Milliarden von Nervenzellen nur darauf warten, miteinander verbunden zu werden. (Das Entwicklungsfenster für Sprache beispielsweise schließt sich nach heutigem Wissen zwischen dem 5. und 8. Lebensjahr. Hat sich das Fenster geschlossen, ist das Sprachzentrum fertig – unabhängig davon, ob es hochleistungsfähig oder von geringer Qualität ist; die Basis ist somit geschaffen und kaum mehr veränderbar.)

 

Daher ist es im Vorschulalter so wichtig, die Wahrnehmungs- und Denkfähigkeit nachhaltig zu stärken und zu trainieren – mit didaktisch sinnvollen Lernspielen.

Wie alles Lernen so fällt auch das Lernen einer Fremdsprache Kindern viel leichter als Erwachsene annehmen, da Kinder seit Geburt an – und davor – nichts anderes machen als lernen. „Lernen ist die natürliche und nicht zu bremsende Lieblingsbeschäftigung unseres Gehirns“, so der Experte und Forscher Manfred Spitzer in seinem Buch „Lernen. Gehirnforschung und die Schule des Lebens“.

 

In diesem Alter öffnen sich auch die so genannten Fenster der Gelegenheit, sensible Phasen, in denen Kinder besonders leicht bestimmte Fähigkeiten erlernen. Daher sollten Kinder in diesen Entwicklungsphasen unbedingt mit vielfältigen Lerninhalten konfrontiert werden. Milliarden von Nervenzellen warten nur darauf, miteinander verbunden zu werden. Werden diese Nervenzellen nicht genutzt, verkümmern sie.

 

Wird dagegen das Gehirn ausreichend angeregt, bilden sich zusätzlich neue neuronalen Verknüpfungen. Man erkennt solche Phasen daran, dass Kinder nach entsprechenden Anregungen suchen und neue Informationen regelrecht in sich aufsaugen.

Die sensible Phase für Fremdsprachen ist vom 4. Lebensmonat bis zum 7. Lebensjahr, in abgeschwächter Form sogar bis zum 10. Lebensjahr.

 

Auch wenn es Jahre dauert, bis ein Kind die ersten Sätze von sich gibt, so beginnt der Sprachlernprozess doch gleich von Anfang an, indem die Eltern oder andere Kontaktpersonen mit dem noch sprachlosen Säugling reden und dieser nach und nach auf diese Ansprache durch Bewegung reagiert. Gleichzeitig internalisiert das Kind dabei schrittweise die Sprache, bildet Hypothesen über Bedeutungen und Strukturen und wird vor allem mit dem Klang der Sprache vertraut.

 

Sehr viele Sprachlernforscher gehen heute davon aus, dass der Zweit- oder Fremdsprachenerwerb in gleicher Weise von sich geht, und sprechen davon, dass es auch beim Erwerb weiterer Sprachen, besonders bei jungen Lernern, eine sog. silent period gibt. Diese sollte von Lehrenden respektiert und auch genutzt werden.